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Diagnose und Therapie der autistischen Störung

12.02.2017

Als Autismus wird eine Entwicklungsstörung des Kindes bezeichnet, deren Diagnose sich auf drei Hauptsymptome stützt: gestörte Kontaktfähigkeit, verminderte Kommunikationsfähigkeit, Neigung zu mechanischer Wiederholung von Tätigkeiten und Interessen. Obwohl jeweils unterschiedlich stark ausgeprägt, treten diese Symptome bereits in der frühen Kindheit auf. 

 

Ein Indiz für die gestörte Kontaktfähigkeit des Kindes ist das distanzierte Verhältnis zu seinen Angehörigen und ein insgesamt fehlendes oder stark vermindertes Beziehungsbedürfnis. Das Kind scheint sich nicht zu freuen, wenn es seine Mutter, seinen Vater oder einen anderen nahen Verwandten erblickt. Einen Blickkontakt stellt es nicht her. Das Kind unternimmt nichts, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, zeigt kein Interesse an gemeinsamen Spielen.  Das Bedürfnis nach körperlicher Nähe ist oft nicht vorhanden. Liebkosungen und Zärtlichkeiten rufen atypische Reaktionen hervor. Manche autistischen Kinder können auf Berührung mit Ekel, Anspannung oder übermäßiger Gelöstheit reagieren. Idiosynkrasie, d. h. Überempfindlichkeit, ist ein häufiger Befund bei autistischer Störung. Jähe Veränderungen der Intensität äußerer Reize wie Lärm, Geruch oder Licht, die von den umstehenden Personen kaum wahrgenommen werden, führen beim autistischen Kind zu heftigen Empfindungen und Abwehrreaktionen, wie bspw. Zuhalten der Ohren oder Panik. Gleichzeitig werden aber auch übermäßige Vorlieben des Kindes für Oberflächen mit spezifischer Beschaffenheit, Farben oder Gerüche manifest.

 

Die Spannweite kommunikativer Störungen bei autistischen Kindern ist ebenfalls recht breit. Typisch ist die unterentwickelte Sprachkompetenz, wobei sowohl Sprachverstehen als auch der aktive Sprachgebrauch, sowie die unterstützende Mimik und Gestik betroffen sind. Fehlender Blickkontakt und stark eingeschränkte Mimik behindern die nonverbale Kommunikation autistischer Kinder. Ihr Wortschatz ist arm. Sie wenden grammatikalische Regeln häufig falsch an. Die Aussprache ist undeutlich, die Betonung ungewohnt. Vermehrt wird Echolalie beobachtet, d. h. das sinnlos-mechanische Nachsprechen vorgesprochener Wörter oder Sätze. Mit zunehmendem Alter ist die kognitive Fähigkeit nicht selten besser entwickelt als das Ausdrucksvermögen. 

 

Das letzte der drei typischen Symptome bei autistischen Störungen ist die mechanische Wiederholung von Tätigkeiten und Interessen. Das Abändern jeder gewohnten Routine ruft beim Kind Ablehnung und Abwehrreaktion hervor. In ihrem Alltag befolgen autistische Kinder bei sich wiederholenden Tätigkeiten selbstentwickelte Rituale, deren Änderung sie als Stress empfinden. Das Kind reagiert mit Unmut und Ablehnung.

 

Schafft etwas die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich zu lenken, folgt meistens eine sich mechanisch wiederholende Tätigkeit. Häufig wird das Interesse der Kinder mit autistischer Störung durch ein Objekt oder seine Bewegung ungewöhnlich lang festgehalten. Sie starren wie gebannt flatterndes Laub oder die sich drehende Waschmaschinentrommel an. Der Versuch, sie davon abzulenken, zieht eine heftige Abwehrreaktion nach sich.     

 

Auch im Spiel autistischer Kinder fallen Verhaltensstereotypen auf. Der Gebrauch von Spielzeugen und anderen Gegenständen folgt einem Modell unreflektiert-mechanischer Wiederholung. Mit Puzzleteilen z. B. vervollständigen autistische Kinder nicht das vorgegebene Puzzlebild, sondern legen sie reihenweise nebeneinander; statt mit Lego-Steinen eine Figur zu bauen, werden auch diese nur nebeneinander aufgereiht. 

 

Rollenspiele und spielerische Nachahmung realer Alltagserfahrungen kommen im Spiel autistischer Kinder kaum vor. Anstatt mit dem Spielzeugauto Bewegung und Geräusche eines echten Fahrzeugs nachzumachen, indem das Kind es womöglich auf dem Boden hin und her fährt und mit seinem Mund die Motorgeräusche nachbrummt, würde es meistens nur unaufhörlich die Räder in der Luft drehen. Oft interessieren sich autistische Kinder eher für Optik, Haptik, Geruch oder Geschmack eines Spielgegenstandes denn für seine Funktion. 

 

Frühzeitige Diagnostik und zeitnaher Behandlungsbeginn erhöhen den Therapieerfolg. Die Wahl der Therapiemethode sollte sich an den individuellen Fähigkeiten und Vorlieben des jeweiligen Kindes orientieren. Manche therapeutischen Herangehensweisen erwiesen sich in meiner Praxis als besonders effizient. Der behandelnde Logopäde sollte zuallererst die besondere Spielweise des autistischen Kindes studieren. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen ihm, die geeignete Therapiemethode auszuwählen, die den natürlichen Neigungen entspricht. Vorlieben im Spiel werden zu Übungen, die Kognition und Kommunikation entwickeln. Wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg ist der Blickkontakt zwischen Kind und Therapeut. Gemeinsam ausgeführte Übungen sollten daher auf Augenhöhe mit dem Kind ablaufen. Sprechweise und Stimmlage des Logopäden sollten auf das Kind motivierend wirken. Das Kind sollte das therapeutische Spiel für die jeweilige Therapiesitzung unter 2-3 vom Logopäden vorgegebenen Alternativen selbst auswählen dürfen. Spielanweisungen sollten kurz und leicht verständlich gegeben werden. Sie können auch in einzelnen Schritten aufgeteilt werden. Veranschaulichung durch Fotos, Schaubilder und Symbole erleichtert das Verständnis des Kindes. An neue Spiele und therapierelevante Gegenstände sollte das Kind erst allmählich gewöhnt werden. Lob für jede Eigeninitiative ist außerordentlich wichtig. Das Kind sollte frühzeitig informiert werden, sollte eine Änderung der Spielroutine bevorstehen. Eine bewusste Spielpause seitens des Therapeuten spornt das Kind an, Feed-back zu geben oder Eigeninitiative in der Interaktion zu entwickeln.

 

Der Therapieerfolg hängt nicht unwesentlich von der Gewinnung und Schulung der Eltern als Ko-Therapeuten ab. Eine gute Abstimmung zwischen Therapeut und Eltern ist daher empfehlenswert.

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